Zwischen der fertigen Aufbereitung auf der Farm und der Ankunft beim Röster liegt eine der am wenigsten sichtbaren, aber qualitätsrelevantesten Phasen in der Coffee Supply Chain: Transport und Export. Rohkaffee muss für den Versand vorbereitet, verpackt, in Container verladen und über Tausende Kilometer verschifft werden, oft über mehrere Wochen hinweg. Was dabei passiert und wie sorgfältig es passiert, hat direkten Einfluss auf die Qualität des Kaffees, der am Ende beim Röster ankommt.
Für die meisten Konsumenten ist diese Phase vollständig unsichtbar. Sie wissen nicht, in welchem Container ihr Kaffee gereist ist, ob er in GrainPro oder nur in Jute verpackt war, und ob er auf dem Seeweg Feuchtigkeit aufgenommen hat. Aber für Produzenten, Exporteure und Importeure ist sie eine logistische Herausforderung, in der kleine Fehler große Konsequenzen haben können. Dieser Artikel erklärt, wie Rohkaffee für den Export vorbereitet wird, wie er verpackt und transportiert wird, welche Risiken dabei entstehen und was beim Import passiert.
Wie Rohkaffee für den Export vorbereitet wird
Bevor Rohkaffee verschifft werden kann, muss er in der Dry Mill verarbeitet werden. Die Dry Mill ist die letzte Verarbeitungsstation vor dem Export und hat drei Hauptaufgaben: Schälen, Sortieren und Klassifizieren.
Beim Schälen, dem sogenannten Hulling, wird das Pergamenthäutchen entfernt, das die Bohne seit der Aufbereitung geschützt hat. Bei Washed Coffees wurde das Fruchtfleisch bereits vor der Trocknung entfernt, sodass nur noch das Pergament übrig ist. Bei Naturals und Honeys können noch Reste von getrocknetem Fruchtfleisch an der Bohne haften, die ebenfalls entfernt werden. Das Ergebnis ist die grüne Rohkaffeebohne, das Handelsprodukt, das weltweit verschickt wird.
Nach dem Schälen folgt die Sortierung. Bohnen werden nach Größe getrennt, indem sie über Siebe mit verschiedenen Lochgrößen laufen. Dann werden sie nach Dichte sortiert, meistens über Dichtetische, auf denen leichtere und potenziell defekte Bohnen von den dichteren, hochwertigeren getrennt werden. In modernen Dry Mills folgt eine optische Sortierung durch elektronische Farbsortierer, die jede einzelne Bohne scannen und defekte oder verfärbte Bohnen per Druckluft aussortieren. Diese optische Sortierung kann mehrere Durchgänge umfassen und erreicht eine Präzision, die von Hand nicht möglich wäre.
Nach der Sortierung wird der Kaffee klassifiziert. Jedes Produzentenland hat ein eigenes Grading-System, das physische Merkmale wie Bohnengröße, Defektanzahl und manchmal auch die Höhenlage der Farm oder die Aufbereitungsmethode berücksichtigt. In Brasilien wird nach dem SCAA-Green-Grading-Protokoll bewertet, in Äthiopien nach einem eigenen System, das zwischen Washed und Natural differenziert. Im Specialty Coffee kommt zusätzlich das sensorische Grading per Cupping hinzu, das den SCA Score ermittelt und eine deutlich feinere Qualitätsdifferenzierung erlaubt als das rein physische Grading. Ein Kaffee kann physisch einwandfrei sein und trotzdem sensorisch enttäuschen, weshalb beide Bewertungssysteme zusammen das vollständigste Bild ergeben.
Wie Rohkaffee für den Transport verpackt wird
Die Verpackung von Rohkaffee für den Transport muss zwei Dinge leisten: den Kaffee vor Feuchtigkeit und Fremdgerüchen schützen und gleichzeitig den Austausch von Restfeuchtigkeit ermöglichen, damit der Kaffee nicht schimmelt.
Die traditionellste Verpackung ist der Jutesack, meistens mit einem Fassungsvermögen von 60 oder 69 Kilogramm. Jute ist atmungsaktiv, günstig und seit Jahrzehnten der Standard im Kaffeehandel. Der Nachteil: Jute schützt nicht zuverlässig vor Feuchtigkeit und kann Fremdgerüche aufnehmen. Kaffee, der in Jutesäcken über Wochen in einem feuchten Container liegt, kann Feuchtigkeit aufnehmen und an Qualität verlieren.
Deshalb verwenden viele Specialty-Exporteure heute GrainPro-Beutel oder ähnliche Hochbarriereverpackungen. GrainPro ist ein luftdichter Kunststoffbeutel, der in den Jutesack eingelegt wird. Er schützt den Kaffee deutlich besser vor Feuchtigkeit und Fremdgerüchen als Jute allein und hält die Qualität des Rohkaffees über einen längeren Zeitraum stabil. Die Kombination aus Jutesack außen und GrainPro innen ist im Specialty Coffee mittlerweile weit verbreitet und ein guter Indikator dafür, dass der Exporteur Qualität ernst nimmt.
Für kleinere Mengen oder besonders hochwertige Lots gibt es auch Vakuumverpackungen, die den Kaffee nahezu vollständig vor äußeren Einflüssen schützen. Diese Methode ist teurer und logistisch aufwendiger, wird aber bei Micro Lots und Wettbewerbskaffees eingesetzt, bei denen jeder Qualitätsverlust vermieden werden soll und der höhere Preis des Kaffees die zusätzlichen Verpackungskosten rechtfertigt.
Wie Kaffee per Schiff transportiert wird
Der Großteil des weltweiten Rohkaffees wird per Seefracht transportiert. Die Kaffeesäcke werden in Standard-Seecontainer verladen, meistens 20-Fuß-Container, die je nach Verpackung zwischen 250 und 350 Säcke fassen. Die Container werden am Exporthafen verladen und per Frachtschiff in die Konsumentenländer verschifft.
Die Transportdauer variiert je nach Route und Hafen. Von Brasilien nach Europa dauert die Seefracht in der Regel zwei bis vier Wochen. Von Ostafrika oder Asien nach Europa kann es drei bis fünf Wochen dauern. Dazu kommen Wartezeiten in Häfen, die je nach Auslastung mehrere Tage betragen können, Zollabfertigung und Inlandstransport zum Lager des Importeurs, sodass die gesamte Dauer vom Verladen am Ursprung bis zur Ankunft beim Importeur oft sechs bis acht Wochen beträgt. In Zeiten von Logistikengpässen, wie sie in den letzten Jahren häufiger vorkamen, kann sich diese Dauer noch verlängern.
Während des Transports ist der Kaffee in einem geschlossenen Container eingeschlossen und durchquert verschiedene Klimazonen. Ein Container, der in den Tropen beladen wird und durch gemäßigte Breiten fährt, erlebt erhebliche Temperaturschwankungen. Diese Schwankungen können zu Kondensation im Container führen, dem sogenannten Container Rain, bei dem Feuchtigkeit an den Containerwänden kondensiert und auf die Kaffeesäcke tropft. Das kann den Kaffee beschädigen und Schimmelbildung begünstigen.
Welche Risiken beim Kaffeetransport entstehen können
Container Rain ist das bekannteste Transportrisiko, aber nicht das einzige. Feuchtigkeit ist generell der größte Feind von Rohkaffee während des Transports. Wenn die Feuchtigkeit in der Bohne über 12 bis 13 Prozent steigt, beginnen mikrobiologische Prozesse, die den Kaffee schädigen und zu muffigen, erdigen oder schimmeligen Fehlaromen führen können.
Fremdgerüche sind ein weiteres Risiko. Rohkaffee ist porös und nimmt Gerüche aus seiner Umgebung auf. Wenn ein Container vorher für Chemikalien, Gewürze oder andere stark riechende Produkte verwendet wurde und nicht sauber genug ist, kann der Kaffee diese Gerüche aufnehmen. Deshalb wird im Specialty-Bereich auf saubere, lebensmitteltaugliche Container geachtet, und GrainPro-Verpackung bietet zusätzlichen Schutz.
Temperaturextreme können ebenfalls problematisch sein. Sehr hohe Temperaturen im Container, die bei Durchfahrt tropischer Gewässer oder bei langer Verweildauer auf dem Hafengelände in der Sonne entstehen können, beschleunigen den Alterungsprozess des Rohkaffees und lassen ihn schneller an Aromenintensität verlieren. Sehr niedrige Temperaturen sind weniger problematisch, können aber bei feucht gelagertem Kaffee zu Kondensation führen, wenn die Temperatur wieder steigt.
Gute Exporteure minimieren diese Risiken durch sorgfältige Containerauswahl, korrekte Beladung mit Trocknungsmitteln im Container und die Verwendung von Hochbarriereverpackungen. Aber vollständig eliminieren lassen sich die Risiken bei Seefracht nicht, was ein Grund ist, warum Rohkaffee-Lagerung nach der Ankunft so wichtig ist.
Was beim Import von Kaffee passiert
Im Konsumentenland angekommen, wird der Rohkaffee vom Importeur oder direkt vom Käufer in Empfang genommen. Der Container wird entladen, die Säcke werden auf äußere Schäden inspiziert und Stichproben werden gezogen, um die Qualität nach dem Transport zu überprüfen. Der Feuchtigkeitsgehalt wird gemessen, weil ein Anstieg auf Transportschäden hindeuten kann. Bei Specialty Coffee wird der Kaffee nach der Ankunft erneut gecuppt, um sicherzustellen, dass er während des Transports keine sensorische Qualität verloren hat und das Profil dem entspricht, was vor dem Versand bewertet wurde.
Der Importeur lagert den Rohkaffee in klimatisierten Lagern bei stabilen Temperaturen und kontrollierter Luftfeuchtigkeit, bis er an Röster weiterverkauft wird. Die Lagerdauer variiert: Manche Kaffees werden innerhalb weniger Wochen geröstet, andere lagern Monate. Je kürzer die Lagerdauer, desto frischer der Rohkaffee und desto besser das sensorische Potenzial.
Bei Lima Netto organisieren wir den Import unseres Kaffees von der Sítio Paineira in Lambari, Mantiqueira de Minas, selbst und kontrollieren jeden Schritt. Es gibt keinen Zwischenimporteur, der den Kaffee übernimmt und weiterverkauft. Wir kontrollieren den gesamten Weg: von der Aufbereitung auf der Farm über die Vorbereitung in der Dry Mill, die Verpackung und den Containertransport bis zur Ankunft in Europa. Wir wissen, in welchem Container unser Kaffee ist, wie er verpackt ist, wann er verschifft wurde und wann er ankommt. Diese direkte Kontrolle über den Transport ist Teil unserer vertikalen Kette und ein Grund, warum wir die Qualität unseres Rohkaffees bis zum Röster garantieren können.
Fazit
Wie Kaffee transportiert und exportiert wird, ist kein langweiliges Logistikthema, sondern ein Qualitätsfaktor, der über Monate hinweg wirkt. Die Vorbereitung in der Dry Mill, die Verpackung in GrainPro oder Vakuum, der Seetransport in sauberen Containern und der sorgfältige Import mit Qualitätskontrolle nach Ankunft sind Stationen, an denen Qualität geschützt oder verloren werden kann. Jeder dieser Schritte erfordert Aufmerksamkeit und Wissen. Der Unterschied zwischen einem Rohkaffee, der sein volles Potenzial behält, und einem, der auf dem Weg zum Röster an Qualität eingebüßt hat, liegt oft in Details, die für den Kunden unsichtbar sind, aber in der Tasse schmeckbar werden.
Häufige Fragen zum Kaffeetransport
Wie wird Rohkaffee transportiert?
Der Großteil des weltweiten Rohkaffees wird per Seefracht in Standardcontainern transportiert. Die Kaffeesäcke werden in 20-Fuß-Container verladen und per Frachtschiff verschickt. Die Transportdauer von Brasilien nach Europa beträgt zwei bis vier Wochen, von Ostafrika oder Asien drei bis fünf Wochen plus Hafenlogistik und Zollabfertigung.
Was ist GrainPro bei Kaffee?
GrainPro ist ein luftdichter Kunststoffbeutel, der in den Jutesack eingelegt wird und den Rohkaffee besser vor Feuchtigkeit und Fremdgerüchen schützt als Jute allein. Im Specialty Coffee ist GrainPro oder eine vergleichbare Hochbarriereverpackung mittlerweile Standard, weil sie die Qualität des Rohkaffees während des Transports deutlich besser erhält.
Was ist Container Rain?
Container Rain ist Kondensation, die im Inneren eines Seecontainers entsteht, wenn der Container verschiedene Klimazonen durchquert. Feuchtigkeit kondensiert an den Containerwänden und kann auf die Kaffeesäcke tropfen, was zu Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbildung führen kann. Trocknungsmittel und Hochbarriereverpackungen reduzieren dieses Risiko.
Wie lange ist Rohkaffee nach dem Transport noch frisch?
Bei guter Verpackung und Lagerung behält Rohkaffee seine sensorische Qualität sechs bis zwölf Monate nach der Ernte. Danach beginnt ein spürbarer Qualitätsabbau. Kaffee, der in GrainPro verpackt und klimatisiert gelagert wird, hält seine Qualität länger als Kaffee in reinen Jutesäcken. Kurze Transportwege und schnelle Weiterverarbeitung sind immer vorteilhaft.
0 Kommentare